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10.05.2009

Die wundersame Welt der Waschkraft


Ein deutsches Unternehmen bringt die Schmutzwäsche führender Berliner Hotels nach Polen - und am nächsten Tag sauber gewaschen und gebügelt zurück. Eine Geschichte über Arbeit, die auswandert. Und über die Menschen, zu denen sie kommt



Quelle:waschkraft-der-film.de

Die wenigsten Gäste der Berliner Nobelhotels haben eine Vorstellung davon, welche Reise die frischen Laken und Handtücher ihrer Zimmer hinter sich haben, wenn sie jeden Morgen gegen die angefallene Schmutzwäsche ausgewechselt werden.

Ein Dutzend Lastwagen pendelt täglich zwischen Berlin und der polnischen Klein-stadt Gryfino hin und her. Dort steht, gleich neben dem Kraftwerk, von dem der heiße Dampf bezogen wird, die deutsche Wäscherei »Fliegel«. Vierhundert polnischen Mitarbeiter sorgen hier zu niedrigen Löhnen und rund um die Uhr dafür, dass die Container aus Berlin innerhalb von vierundzwanzig Stunden mit sauberer Wäsche gefüllt zurück in der deutschen Hauptstadt sind.

»Die wundersame Welt der Waschkraft« ist eine Geschichte über Arbeit, die ausgewandert ist, und über die Menschen, die sie Tag für Tag erledigen. Monika, die genau wie ihr Mann Schicht arbeitet und sich um die Zukunft ihrer Tochter Marta sorgt, seit die ihren Job in der Wäscherei verloren hat. Beata, eine allein erziehende Mutter, die mit ihrem Freund und dessen Ex-Frau unter einem Dach lebt und versucht mit ihren drei Kindern über die Runden zu kommen. Und Beatas Mutter Lidia, die ein wenig Geld dazu verdienen will und sich in den Kopf gesetzt hat, ein halbes Jahr nach England zu fahren, um dort Tulpen einzutopfen.

Drei Generationen von Frauen, ein gemeinsamer, bescheidener Traum: privates Glück, ein eigenes Haus, eine Familie. Und der Wunsch, dass es den Kindern einmal besser gehen soll. Fünf Jahre nach Polens Beitritt zur Europäischen Union ist die Grenze nach Deutschland zwar offen, aber die schöne Welt der Berliner Fünf-Sterne Hotels ist immer noch ein gutes Stück entfernt.

 

Neues Deutschland, 7.5.2009

Schmutzig

Wer im Hotel wohnt, braucht sich um die Wäsche nicht zu sorgen. Sie wird aufgezogen, abgezogen, ausgetauscht, ist immer da und immer frisch, weiß, flauschig, ein praktisches Vergnügen für die Sinne. Wer in Berlin im Hotel wohnt, schläft, wenn es mindestens vier Sterne hat, in Wäsche, die beinahe so weit gereist ist und mindestens so viele Grenzübertritte hinter sich hat wie der Gast. Denn es sind polnische Arbeiterinnen, die die Berliner Sternewäsche waschen, mangeln und legen, sieben Tage die Woche, 364 Tage im Jahr, im Schichtbetrieb rund um die Uhr.

Die Großwäscherei gehört einer deutschen Firma, der heiße Dampf für die Mangeln ist Abfallprodukt des Kraftwerks nebenan und deshalb billig, und dass sich die ganze Verschickung trotz des logistischen Aufwands und hoher Spritkosten rechnet, spricht ja für sich und Bände über das Lohngefälle innerhalb Europas.

Hans-Christian Schmid, einst mit seinem Spielfilm »Lichter« im deutsch-polnischen Grenzgebiet unterwegs, hat sich das Alltagsleben der Frauen angesehen, die dafür sorgen, dass die Morgenmäntel im Hotel Adlon immer schön fluffig sind. Er fand Menschen, die in einer strukturschwachen Gegend froh sind über den halbwegs sicheren Arbeitsplatz. Menschen aber auch, deren Alltag kaum ferner sein könnte von dem Leben derjenigen, die Nutznießer ihrer Arbeit sind.




Weiterführende Links:
http://waschakraft-der-film.de





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