24.03.2010
Wir geben keine Ruhe!* Antifaschistische Demonstration in Brandis Redaktion, 24.3.2010
Fast ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Neonazi-Übergriff auf Spieler und Fans des Leipziger Fußballvereins Roter Stern Leipzig soll am 7.4.2010 die Partie FSV Brandis vs. Roter Stern nachgeholt werden. Doch die Mannschaft wird nicht allein nach Brandis kommen
Brandis, 24.10.2009. 50 Bewaffnete Neonazis überfallen Spieler und Fans der 1. Mannschaft des Leipziger Fussballvereins Roten Stern Leipzig e.V. An diesem Samstag soll das Bezirksklassenspiel FSV Brandnis gegen Roter Stern Leipzig stattfinden. Das Spiel wird 2 Minuten nach Beginn abgepfiffen. Weder die Polizei noch die einheimischen Spieler und Zuschauer greifen ein.
Mit drei schwer, mehreren leicht Verletzten und unter Schock stehend fahren die sich als explizit antirassistisch und basisdemokratisch verstehenden LeipzigerInnen wieder nach Hause. Unter dem Druck einer bundesweiten Medienöffentlichkeit liefen die polizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren. Der erste Neonazi-Schläger wurde im Februar verurteilt und muss nun für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Ein weiterer, aus Brandis stammender Täter, wurde wegen mehrerer Vergehen im März zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Verfahren gegen mindestens sechs weitere Tatverdächtige folgen in den kommenden Monaten.
Für große Verwunderung sorgte die Entscheidung des Sportgerichtes vom 1.12.2009, nach der das Spiel zwischen FSV Brandis und RSL wiederholt werden muss. Damit wurde die Mitschuld des gastgebenden Vereins vereitelt. Dieser hatte nicht ausreichend für die Sicherheit des Spieles gesorgt, darüber hinaus steht die Beihilfe von Brandiser Ordner bei dem Übergriff im Raum. Nachdem die nächst-höhere Sportgerichtsinstanz dieses Urteil gegen den Widerspruch des Roten Sterns bestätigte, wurde das Nachhol-Spiel inzwischen auf den 7.4.2010 festgesetzt. An diesem Mittwoch im April wird der linksalternative Leipziger Fußballverein allerdings nicht allein nach Brandis fahren. Eine antifaschistische Demonstration wird Fans und sich solidarisch Zeigende zum Fußballplatz führen.
Es geht dabei nicht ums Wunden lecken, sondern darum aufzuzeigen, dass die Zustände in Brandis, wo bekennende und gewaltbereite Neonazis als „Jungs von nebenan“ betrachtet werden, während AntifaschistInnen als Störfaktoren und UnruhestifterInnen stigmatisiert werden, vielerorts Normalität sind. So hatte der Brandiser Stadtrat kurz nach dem Übergriff nichts besseres zu tun als eine Erklärung gegen „rechtsextreme Gruppierungen, gewaltbereite Schläger und linksradikale Vandalen“ zu beschließen, in Limbach-Oberfrohna durfte ein NPD-Stadtrat ein Bündnis gegen Extremismus mitgründen, in Mügeln wird dem Verein Vive le courage von den Stadtoberen immer wieder die Schuld für rechts motivierte Übergriffe auf die eigenenVereinsmitglieder und das Vereinsdomizil zugeschoben.
„Mit der Demonstration wollen wir unsere Solidarität mit den Menschen im Umland zum Ausdruck bringen, die nicht nur einmal zum Fußball dorthin fahren müssen, sondern die in diesen Landstrichen leben und politische Arbeit leisten.“
Demo-Start ist 17 Uhr am Bahnhof in Brandis. Das Fußball-Spiel beginnt 18.30.
* "Noch immer keine Ruhe" klagte die LVZ Muldental am 11.1.2010 in Reaktion auf die Berufung, die der Rote Stern gegen das Sportgerichtsurteil zur Spielwiederholung einlegte.
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