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Themen / [(anti)rassismus]

26.07.2014

Wege aus der Kälte

Erfahrungen Schwarzer Deutscher, damals und heute.

Marion Kraft, veröffentlicht von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Büro New York, Juli 2014

Die Studie von Marion Kraft vermittelt einen Überblick über die Geschichte Schwarzer Deutscher einerseits und den anhaltenden und institutionalisierten Rassismus in Deutschland andererseits.



Seit Jahrhunderten leben Schwarze Menschen in Europa, doch ihre Erfahrungen folgten unterschiedlichen Entwicklungspfaden. Während Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien die Gesellschaften Frankreichs, Großbritanniens und der Niederlande grundlegend verändert hat, gestaltet sich die Situation in Deutschland anders. Denn da Deutschland seine Kolonien schon nach dem Ersten Weltkrieg abtreten musste, gab es später auch keine Masseneinwanderung. Im Ergebnis machen Schwarze heute weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes aus.

Der geringe Anteil Schwarzer Menschen in Deutschland bedeutet allerdings nicht, dass es weniger Rassismus gäbe. Im Gegenteil, Rassismus hat in Deutschland eine lange Tradition. Insbesondere zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) und des NS-Regimes (1933-1945) stellten weit verbreitete Rassentheorien Menschen afrikanischer Herkunft als minderwertig dar.

Ein Ursprung der rassisistischen Diskriminierung liegt in der populären Annahme, die deutsche Bevölkerung sei ethnisch homogen – und weiß. Lange Zeit, und teilweise bis heute, waren viele Weiße davon überzeugt, dass Schwarze prinzipiell nicht deutsch sein könnten, es Afro-Deutsche also gar nicht gebe. Angesichts solcher und anderer Vorurteile sind die individuelle und strukturelle Diskriminierung und auch physische Gewalt noch immer Bestandteil des Alltags von Schwarzen.

Schwarze Menschen in Deutschland fallen in zwei Gruppen. Zur ersten zählen Schwarze Deutsche bzw. Afro-Deutsche, die ganz überwiegend eine weiße Mutter und einen afrikanischen oder afroamerikanischen Vater haben und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg geboren wurden. Die zweite Gruppe besteht aus afrikanischen Asylsuchenden und Einwanderern, die in jüngerer Zeit nach Deutschland kamen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich beide Gruppen verändert; vor allem aber gibt es inzwischen auch zunehmend gemeinsame Initiativen. Afrikanische Einwanderer protestieren etwa gegen diskriminierende Gesetze wie die sogenannte Residenzpflicht, die ihren Wohnort festlegt, ohne ihre Präferenzen zu berücksichtigen. Währenddessen gründeten Schwarze Deutsche, inspiriert von der afroamerikanischen Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und verschaffen sich in der Gesellschaft immer mehr Gehör.

Diese Studie vermittelt einen Überblick über die Geschichte Schwarzer Deutscher einerseits und den anhaltenden und institutionalisierten Rassismus in Deutschland andererseits. Die Autorin, Marion
Kraft, ist selbst in der afro-deutschen Bewegung aktiv und hat sich als Lehrende und Literaturkritikerin intensiv mit den Werken Schwarzer Frauen beschäftigt. Hier diskutiert sie auch die Frage, was wir im Kampf gegen den Rassismus und für die Gleichberechtigung der Schwarzen in Deutschland tun können.

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