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18.05.2015

Die Festung Europa muss geschleift werden


Dario Stefano Dell’Aquila, Standpunkte der Rosa-Luxemburg-Stiftung 14/2015

Das Massensterben auf den Fluchtrouten ist keine Ausnahmesituation - es ist zum Normalzustand geworden.


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Die Tragödie des vieltausendfachen Todes von Menschen auf ihrer Flucht nach Europa nötigt die Regierungen zu Beileidsbekundungen. Entschieden werden Schlepper verurteilt und harte Gegenmaßnahmen versprochen. Die Unglücksfälle sind aber nur der sichtbare Teil eines umfassenderen Dramas. Es ist Folge politischer Entscheidungen, die den Kontinent in eine uneinnehmbare Festung verwandelt und MigrantInnen dazu verurteilt haben, ein unsichtbares Leben zu führen.

Eine der jüngsten Tragödien vor Sizilien ereignete sich am 19. April dieses Jahres. Ein von Libyen aufgebrochenes Boot mit 800 MigrantInnen an Bord kenterte unweit der italienischen Küste. Wie es dazu kommen konnte, ist bislang noch ungeklärt. Dem Anschein nach wurde das Boot von einem zur Rettung herbeigeeilten Handelsschiff gerammt. Nur 28 Personen überlebten. Allem Aufsehen, das dieser Fall erregt hat, zum Trotz: Es ist daran nichts Außergewöhnliches. So ging am 3. Oktober 2013 wenige Seemeilen vor der Insel Lampedusa ein in Brand geratenes libysches Schiff unter, auf dem sich 521 Menschen aus Eritrea, Äthiopien, Ghana, Somalia und Tunesien befanden. 366 Menschen starben, von denen 20 nicht mehr geborgen werden konnten.

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